FUTURE SONG
Das Jesusbild ist nicht zufällig gewählt. Für mich hat Jesus stets Demut repräsentiert. Diese Musik stammt von jenseits der Demut-Hürde. Mit ´Demut-Hürde´ meine ich, dass Lebensziele, die nicht als Enttäuschung enden sollen, nur über eine Demutshaltung erreicht werden können.
Atheisten sind unfähig einen barmherzigen Gott zu akzeptieren, wie Kleriker unfähig sind, dem barmherzigen Gott zu dienen, wenn sie selbst keine Barmherzigkeit kennen; und weil sie die Weichheit und Stille des Barhat Anga des Vilayat Khan und des afrikanischen Tanzes nicht beherrschen. Was meinen Sie, wer hat mehr Gehirnkapazität verwendet, Einstein oder Franz von Assisi? Die Kirche, Geld,Macht – das Übliche. Egoismus mit sentimentaler Verbrämung fürs Fußvolk. So viel zu Wissenschaft und Religion.
Eine Eigenart des Sus-Akkords – und eine Eigenart der Poesie: Durch das Verharren in der Ambivalenz wird die intuitive Eigenart getroffen.
Mit FUTURE SONG wird eine spezifische intuitive Tradition in die Zukunft fortgeschrieben. Dabei soll sich nicht Leistung lohnen, sondern Intuition, Sensibilität und jegliche andere Tugend, die keine enervierende Diskussion erzeugt.
Obwohl meditative Trance-Zustände in der Musik enthalten sind und die Annäherung an die Wahrheit (unter Berücksichtigung von Zeit, Person und Ort) der Arbeit als Motivation zugrunde liegt, werden hier esoterische Titel aus Gründen der Pietät vermieden.
Thomas Kagermann hat an jedem Tag in einem Jahr ein Stück komponiert und aufgenommen – sie repräsentieren die jeweilige Tagesschwingung des Aufnahmedatums. Weitere Musiken aus dieser Reihe sind auf seiner CD ALPHA OMEGA zu finden.
Die Auswahl der Stücke hat nichts zu tun mit einem Mehr oder Weniger der Musikkompositionen. Sie ergibt sich aus der Dramaturgie, der energetischen Balance, die dem Bedürfnis nach Innerlichkeit und ihrer heutigen Notwendigkeit, Gewicht verleiht. Andere Kriterien kommen nicht in Betracht. Mit meinen Stücken habe ich versucht, Räume zu öffnen – spezifische Räume – die Thomas´ virtuosen Stücken Rechnung tragen. Auch ein – sich ergänzendes – Tag/Nacht Konzept ist denkbar, oder Orient/Okzident, oder Tradition und Zukunft – wichtig ist, dass die Dualität überwunden wird, eine Brücke geschlagen, und dass aus zwei Spielern einer – ein größerer – werden kann.
AGK November 2009