LANOIAH
Erst als ich Musik als heilig erkannte,wurde mir bewusst, wie schrecklich Musik sein kann. Sie beleidigte mich überall wo ich hinkam: dumpfe Bässe, kreischende weibliche Dämonen. Oooh baby. I´ve got the power. So wurde, als Konsequenz, nicht die Frage wichtig, was Musik sein sollte (aufregend) sondern was sie nicht tun sollte: aufregend sein - und einem auf die Nerven gehen.
Dieses Prinzip kann, ohne zum Dogma zu verkommen, auch auf die bildende und andere Kunst übertragen werden. Nicht, was ist das intellektuelle Konzept hinter dem Bild, dem Objekt, der Performance, sondern in was für einen Zustand versetzt es mich, wenn ich mich ihm länger aussetze.
Wenn überhaupt, höre ich heute nur noch Musik, die mich nicht aufregt, sondern beruhigt, mich innerlich leer macht.
Die Übersetzung auf eine andere Ebene, welche die Person Vilayat Khan mit seiner Sitar, seinen Alaapas, seinen poetischen Wendungen für mich zustande brachte, schuf die Art kontinuität, die das Hochgefühl beim Erlebnis musik durchgängig erlebbar machte.
Enos kühle Ambient Synths transzendierten sowohl die Überhitzung der aus dem R & B stammenden populären Musik der 70er Jahr, als auch die Zerstörung der Musikkultur als solcher durch den Punkrock. An diesem Punkt wurde endgültig klar: Popmusik würde nie Kunst sein können. Es folgten viele Experimente in Richtung World Music, die für mich ebenfalls Sackgassen repräsentierten.
Erst als Sampling von hoher Qualität verfügbar wurde, war ich in der Lage, futuristische Klänge zu gestalten, die sich nicht automatisch mit auf Naturinstrumenten gespielten Musikformen und Stilen - und den entsprechenden psychischen Räumen – kurz schlossen, sondern dem Zustand entsprachen, den ich von Anfang an gesucht, bzw. in mir getragen hatte. Es war Klaus Wiese, der mich hartnäckig dazu anhielt, den Entertainment-Faktor in der musikalischen Komposition zu reduzieren und mich zum Minimalismus - zu Gunsten des Zustandes - zu bekennen. Den Paisley-Musikstil betreffend, war er einer der ersten, die enthusiastisch auf diese Arbeiten reagierten und ihnen zu der Popularität unter Kennern verhalf, die sie heute genießt.
Die Arbeit an LANOIAH wuchs im Laufe von vier bis fünf Jahren heran, in einer Zeit, als ich viel mit Peter Maunus Gitarren-Samples experimentierte. Ich war auf der Suche nach einem musikalischen Destillat, einer Musik, die nicht fade wurde oder sich abnützte, wenn sie länger als, sagen wir, zehn Minuten an einem emotionalen Ort verharrte. Ein Rückzug vom Lärm, hin zur Stille setzte ein, Stimmungen von Zufriedenheit und Dankbarkeit, bis ich schließlich bei diesem einstündigen Werk anlangte, das ´unter allen Umständen´, zu jeder Tages- , Jahreszeit, jeglicher Phase des monatlichen Zyklus und jeglicher Gemütsverfassung Bestand hatte. Musik als Zustand, nicht als Ablauf. Ein Stück, das gleichzeitig Erinnerungen an ´andere Zustände´, als auch hellsichtige futuristische Visionen zeitigte.
In dieser Hinsicht bin ich nicht selbstlos. Wenn es mir gefällt, alle aufkommenden Gedanken und Gefühle in goldenes Licht gebadet zu wissen, so ist dies meine Grundmotivation bei der Musikproduktion und nicht das, was ein potentieller Kunde erwarten mag. So einfach diese Idee sich anhört, so selten ist sie im Musikgeschäft.
AGK Sommer 2008
LANOIAH wirkt gut, wenn man es leise hört und der Musik keine weitere Beachtung schenkt.
Der gewünschte Effekt tritt ein, wenn die Lautstärke niedrig gehalten und kein Alkohol konsumiert wird. Für optimale Wirkung empfehle ich einen starken, mit etwas Milch und Zucker aufgekochten Assam Tee.