T U R Y A
Die Musik der TURYA CD geht auf mein langjähriges Experimentieren mit einfachen melodischen Zyklen zurück, die in verschiedenen Tempi und auf unterschiedlichen Ebenen ablaufen. Die Absicht: einen gewissen vertrauten - jedoch vergessenen - Zustand wieder zu erwecken. In der Melodik ist hier der Übergang von der dritten zur vierten und respektive von der vierten zur fünften Stufe entscheidend, wobei die vierte Stufe das weibliche Zentrum darstellt, welches vom Seelischen einerseits und vom Geistigen andererseits, im Sinne des ursprünglichen Tantra, befruchtet wird.
In der Musikkultur hat die Überfrachtung mit Produkt zu einem Verflachen des Interesses seitens des Konsumenten geführt. Gelegentlich hat man das Gefühl, dass es mehr Musikproduzenten gibt als Hörer, in einer Zeit, die ohnehin schon randvoll mit Lärm jeder Art ist. Das Maß an Genuss sinkt und eigentlich wünschen die Menschen sich eine Art ´Staubsauger´, der all den akustischen Unrat wieder absaugt, einen befreit von dem Bedrängnis, das noch immer Musik genannt wird.
T U R Y A strebt wieder dorthin, wo Musik ursprünglich herkommt. Dies tut sie auf behutsame Art und Weise.
Sie ist nicht im herkömmlichen Sinne komponiert, sondern entdeckt. Dennoch basiert sie auf jahre- und jahrzehntelangem üben, experimentieren und sondieren. Gewöhnliche ´normale´ Musik produziert äußere Intensität. TURYA befasst sich mit innerer Intensität. Diese wird als eine Art Magnetismus erlebt und hat die Kraft, gewöhnliche Umstände und Dinge zu heiligen. Beide Formen von Intensität schließen sich aus. Die ´Musik´ von TURYA liegt innerhalb der Musik. Sie benötigt keine Bestätigung durch Trends.
AGK 8. April 2006
im Radio - eine Auswahl:
www.kcur.com
NIGHTTIDES
Host - Renee Blanche
8/12/2007
10:30 – 11:00 p.m.
Al Gromer Khan
The Paisley Handicap / Turya ~ Rasa Music
Situationen für die TURYA gut geeignet ist:
° Sie entdecken, dass der Himmel heute drei verschiedene Arten Blau aufweist
° Sie erkennen, dass eine Gehirnhälfte in Ihrer Person unterrepräsentiert ist, das Problem jedoch nicht dadurch gelöst werden kann, dass Sie Lippenstift auftragen oder eine andere Krawatte wählen
° Wenn sich Wünsche und Kindheitsträume erfüllt haben, Sie sich an diese Wünsche erinnern und entdecken, dass diese idiotisch waren
° Wenn Sie sich Kindheitsträume erfüllen und entdecken, dass sie substanziell und sinnvoll waren
° Wenn Sie heute besondere Klarheit im Denken erfahren
° Wenn Sie sich heute glücklich schätzen, keine Zahnschmerzen zu haben
° Wenn Sie erkannt haben, dass ein Kunstwerk mehr ist, als ein intellektuelles Konzept und akademisches Wissen oft eine Behinderung darstellt oder gar destruktiv ist
° Wenn Sie einmal keinen Modeschöpfer, keinen Innenarchitekten und keinen Psychotherapeuten benötigen
° Wenn Sie erkennen, dass sie mehr haben, als Sie eigentlich bräuchten
° Wenn Sie jemanden kennen lernen, der ein schlichtes Leben führt.
Die Stücke
1 Tardeo >>>Die Reminiszenz einer Melodie, gespielt im Laufe von Tagen und Wochen auf dem Balkon einer kleinen Wohnung im Bombayer Stadtteil Tardeo Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Wenn Fragmente der Melodie anklingen, kommt es zu einer kleinen Zeitreise rückwärts, und Gerüche, Farben und Personen sind wieder da – so, als wären nicht dreißig Jahre seitdem vergangen. Der Eindruck ist wonnevoll, bleibt jedoch nur für einen Sekundenbruchteil. Vielleicht habe ich das Stück deswegen so kurz gehalten.
2 ´Stamboul Train´ >>>Der Titel ist aus zweierlei Gründen ein Zitat: zum einen gab es den gleichnamigen Roman von Graham Greene. Er inspirierte mich dazu, ein Kapitel meines Romans Das Paisley Handicap danach zu benennen. Die Reise selbst wurde von meiner Frau Ute und mir im Jahre 1987 unternommen. Die Geschichte im Roman ist reine Erfindung, lediglich Abdullah ist real. Die Musik beruht auf einer türkischen Volksweise, die wir seinerzeit in der Türkei im Radio hörten. Es gab eine Reihe von Versionen, die ich samt und sonders verwarf, da sie der spezifischen metaphysischen Balance entbehrten. Erst diese Version aus dem Jahre 2003 befriedigte mich.
3 The Quiet World of Shri Nityananda>>>Auch hiervon gab es einige unveröffentlichte Versionen, bevor ich mich für diese entschied. Das Stück repräsentiert ein Indien ohne Hektik, Geldgier und Lärm, das es einmal gab. Vor meinem intuitiven Auge begebe ich mich in die Zeit des großen Yogis und Zauberers Nityananda, der nicht sehr viel sagte, aber Tausenden inneren Frieden bescherte.
4 Kubra>>>Diese Musik ist mit Vorsatz entworfen, die Denkfrequenz der Hörer zu verlangsamen, anstatt ´Excitement´ zu produzieren. Stilistisch geht sie auf Kompositionsformen zurück, die Florian Fricke von Popol Vuh in den Siebzigerjahren bevorzugte. Mit ihm hatte ich das Glück, bei verschiedenen Projekten – u. a. Filmmusiken für Werner Herzog - zusammen zu arbeiten. Zwei Sitars – männlich/weiblich im Dialog, mit unüblicher Trommelbegleitung.
5 Die Heiligsprechung des Helmut S.>>>Selbstverständlich verhält es sich mit dem Thema Heiligkeit völlig anders als man denkt. In Frage kommen in der Regel Personen, die nicht das geringste Interesse daran haben, öffentlich in Erscheinung zu treten oder gar von Theologen zertifiziert zu werden. Theologie erscheint manches Mal als der Versuch, anhand des gewöhnlichen Zustandes einen höheren Zustand zu beurteilen. Doch gibt es heilige Personen – hauptsächlich in der ´dritten Welt´ Sie repräsentieren exquisite Wonne und Transzendenz. Das Musikstück zeigt eine solche spezifische Wonne auf.
6 The Paisley Handicap>>>Die Aufnahme einer meiner ´strukturellen´ Kompositionen stammt aus den Neunzigerjahren, einer Zeit, als ich sehr klare Eingebungen hatte, wie die Musik der Zukunft: ein Destillat aller vorhergegangenen Musikstile und Weltmusiken aussehen würde. Die Solo-Stimme ist der Mezzosopran von Martina Koppelstetter.
7 Turya>>>Das Titelstück besitzt trotz seiner schlichten, stillen Form einen hohen Anspruch. Dieser besteht darin, jegliche Situation und jedwedes Objekt der Betrachtung während des Hörens zu reinigen und zu heiligen.
Turya ist der transzendentale Zustand. Die Musik ist das Resultat eines langwierigen Arbeitsprozesses. Dieser Prozess beinhaltet die Erforschung ´anderer Zustände´, plus das Hören, Sondieren und Transportieren der Musik an andere Lokalitäten, um ihre Kraft und Wirkung zu verschiedenen Zeiten, Anlässen, an Orten und Personen zu testen. Erst wenn sie unter sämtlichen Bedingungen Bestand hat, verdient sie das Prädikat ´Turya´.